FAQ zum Verfahren QS DEK
Um Fehldokumentationen oder Kodierfehler zu vermeiden und eine lückenlose und sachgerechte Dokumentation sicherzustellen, möchte die Fachkommission DEK auf folgende gesetzliche Vorgaben und Empfehlungen wiederholt hinweisen:
- bei allen Patienten den Dekubitus-Status (bei Aufnahme, im Verlauf und bei Entlassung) erfassen und dokumentieren.
- bei Aufnahme von Patienten während der Erstuntersuchung/Erstanamnese den Informationsaustausch bei Dekubitusrisiko zwischen Arzt und Pflege sicherstellen. Grundsätzlich Kommunikation zwischen den Beteiligten Akteuren unterstützen und motivieren.
Zusätzlich weist die Fachkommission DEK darauf hin, die verwendeten Dokumente im eigenen Krankenhaus (z.B. Fingertest im Bewegungsplan bzw. Positionierungsplan) kritisch zu überprüfen und ggf. zu aktualisieren.
Es werden alle Patientinnen und Patienten ab einem Alter von mindestens 20 Jahren erfasst. Die QS-Auslösung erfolgt über Dekubitalulcera ab Stadium 2 oder nicht näher bezeichnete Dekubitalulcera (ICD-10-Code L89.1, L89.2, L89.3, L89.9). Die Auslösung durch andere ICD-Codes (z.B. L89.0, L97) könnte auf mögliche QS-Filter-Software-Probleme hinweisen. Das Verfahren DEK basiert weitgehend auf Abrechnungsdaten und ist somit hinsichtlich des Dokumentationsaufwands sehr sparsam. Der Dokumentationsaufwand wurde ab dem Erfassungsjahr 2026 weiter reduziert, so dass nur noch die Angabe zum Haut-Zustand bei Aufnahme (POA: Present on Admission) erfasst werden muss. Die restlichen Angaben werden direkt den Abrechnungsdaten entnommen. Für die Entstehung eines Dekubitus wird zudem das Auftreten von Risikofaktoren von allen Behandlungsfällen des Krankenhauses erfasst und ermittelt (Risikostatistik). Die Risikostatistik wird zur Berechnung der Risikoadjustierung verwendet und ergänzt daher die Dokumentation für das Verfahren Dekubitusprophylaxe.
Die Risikostatistik enthält zusammengeführte Basisinformationen zu allen vollstationären Patientinnen und Patienten ab einem Alter von 20 Jahren, die aus den vorhandenen Routinedaten berechnet werden - unabhängig davon, ob das QS-Verfahren Dekubitusprophylaxe ausgelöst wird oder nicht. Für jede Konstellation der zu prüfenden Risikofaktoren wird dann die Anzahl der Fälle im gesamten Jahr errechnet.
Die Risikostatistik ist verpflichtend und standortbezogen jährlich zu übermitteln. Dies gilt also auch für Einrichtungen, die keine den Auslösebedingungen des QS-Verfahrens Dekubitusprophylaxe (QS DEK) entsprechenden Fälle behandelt haben. Seit dem Erfassungsjahr 2019 ist die Risikostatistik fallbezogen zu erstellen, d.h. für jeden Fall ab 20 Jahren wird eine Zeile in der Risikostatistik erstellt. Für die Erstellung der Risikostatistik ist eine Software erforderlich. Eine Erstellung der Risikostatistik durch die QiG BW GmbH ist nicht möglich.
Die Anzahl aller Fälle (FAELLE_GEPRUEFT_RS), die in der Risikostatistik zu berücksichtigen sind, ist in der Sollstatistik auszuweisen. Dies gilt für alle stationär aufgenommenen Patientinnen und Patienten ab 20 Jahren.
- Für alle im Abrechnungsdatensatz mit L89.1-, L89.2-, L89.3- oder L89.9- kodierten Dekubitalulcera ist die Schwere der Hautschädigung anzugeben. Dieser entspricht den Angaben im Abrechnungsdatensatz. Dekubitalulcera mit einem Stadium/einer Kategorie 1 (L89.0-) sind nicht in der gesetzlichen externen Qualitätssicherung dokumentationspflichtig.
- In der internationalen Leitlinie „Pressure ulcers: prevention and management“ (Clinical guideline [CG179]; NICE) wird festgestellt, dass die Ausdrucke „Stufen“ und „Schweregrad“ bei der Kategorisierung eines Dekubitus ein Fortschreiten von I nach IV unterstellen. Das Fortschreiten von I nach IV treffe jedoch nicht immer zu. Daher wird der Ausdruck „Kategorie“ als wertungsfreier Begriff vorgeschlagen.
- Um eine spezifische Stadieneinteilung für Dekubitalulcera festzustellen und diesen von anderen Hautverletzungen abzugrenzen, sollte die Diagnosesicherung durch geschultes Personal erfolgen.
- Die Unterteilung und Erfassung von Dekubitalulcera wird nach den in der deutschen Version der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10-GM) abgebildeten Kategorien (L89.-) vorgenommen. Für die externen Schlüssel zum ICD wird auf die Webadresse http://www.bfarm.de verwiesen. Laut der gültigen Fassung der „Deutschen Kodierrichtlinien“ handelt es sich bei der Angabe „nicht näher bezeichnet“ um eine Resteklasse, die lediglich dann zu kodieren ist, wenn die Krankheit nur mittels Oberbegriff beschrieben ist.
Wird ein Patient mit einem Dekubitus aufgenommen, der während des stationären Aufenthaltes plastisch gedeckt werden soll, so ist laut Ausfüllhinweis im Datenfeld POA „Ja: Dekubitus an dieser Lokalisation war bei Aufnahme ins Krankenhaus vorhanden“ zu dokumentieren.
In der klinischen Praxis können Konstellationen auftreten, in denen ein Fall durch den QS-Filter als dokumentationspflichtig ausgelöst wird, obwohl der Datensatz im QS-Verfahren Dekubitusprophylaxe nicht für die Dokumentation geeignet ist. Wird ein Patient z.B. unter Reanimationsbedingungen aufgenommen und es wird direkt bei Aufnahme der Tod festgestellt, reicht es aus, einen Minimaldatensatz (MDS) auszufüllen.
Bezüglich des Datenfeldes 15 „War der Dekubitus bei der Aufnahme vorhanden? ("Present on Admission")“ beziehen sich die Angaben bei Wiederaufnahmen mit Fallzusammenführung auf die erste Aufnahme. Ziel ist es, auch bei zusammengeführten Datensätzen, bei denen der Dekubitus im Verlauf der Behandlungskette entstand, inzidente Dekubitusfälle identifizieren zu können. Bei einer Fallzusammenführung wird stets der gesamte Fall in der QS dokumentiert. Eine Unterscheidung zwischen DRG und PEPP wird nicht vorgenommen, d.h. die Fallzusammenführung erfolgt unabhängig von DRG oder PEPP.
Die Einschätzung des Hautzustandes bei Entlassung könnte im Zusammenhang mit dem Stellungnahmeverfahren für die Fachkommission DEK von Bedeutung sein.
Für den hier angegebenen Dekubitus ist ausschließlich das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein des Dekubitus an dieser Lokalisation bei Aufnahme zu dokumentieren. Es wird nicht nach dem Stadium / der Kategorie des Dekubitus an dieser Lokalisation gefragt.
Hinweise:
- Wird ein Dekubitus als beidseitig kodiert, ist „Ja“ anzugeben, wenn bei Aufnahme ein Dekubitus auf beiden Seiten unabhängig vom Stadium der jeweiligen Dekubitalulcera vorlag. Wenn auf einer Seite kein Dekubitus vorlag, ist "Nein" anzugeben.
- Wird ein Patient mit einem Dekubitus aufgenommen, der während des stationären Aufenthaltes plastisch gedeckt werden soll, so ist in diesem Datenfeld „Ja“ zu dokumentieren.
- Bei Wiederaufnahmen mit Fallzusammenführung bezieht sich diese Angabe auf den zusammengeführten Fall, d.h. auf das erste Aufnahmedatum.
Beispiel:
1. Krankenhausaufenthalt vom 05.01.2026 bis zum 10.1.2026
2. Krankenhausaufenthalt (Wiederaufnahme) vom 15.01.2026 bis zum 20.1.2026
Es ist anzugeben, ob der zu dokumentierende Dekubitus am 05.01.2026 vorlag.
Bei stationärer Aufnahme einer Patientin bzw. eines Patienten soll dokumentiert werden, ob ein Dekubitus vorliegt oder nicht. Es wird empfohlen, die Einschätzung eines Dekubitusrisikos, welches auch das initiale Screening beinhaltet, „unmittelbar zu Beginn des pflegerischen Auftrags“ (1) bzw. „As soon as possible after admission/transfer to the healthcare service“ (2) durchzuführen.
(1) DNQP [Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege]; Hrsg. (2017): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. 2. Aktualisierung. Osnabrück: Hochschule Osnabrück, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. ISBN: 978-3-00-009033-2.
(2) EPUAP [European Pressure Ulcer Advisory Panel]; NPIAP [National Pressure Injury Advisory Panel]; PPPIA [an Pacific Pressure Injury Alliance] (2019): Prevention and Treatment of Pressure Ulcers/Injuries: Clinical Practice Guideline. The International Guideline. Third edition. EPUAP [u. a.]. ISBN: 978-0-6480097-8-8. URL: CPG2019edition-digital-Nov2023version.pdf (abgerufen am: 25.02.2025).
Hier gilt die Kodierrichtlinie: kann das Stadium/die Kategorie nicht mit Sicherheit bestimmt werden, ist das niedrigere Stadium/die niedrigere Kategorie zu kodieren.
Solange kein eigenständiger ICD-Kode für die „vermutete, tiefe Gewebeschädigung“ existiert, sollte im Sinne der QS - wenn möglich - hier ein „Dekubitus, Stadium/Kategorie nicht näher bezeichnet“ kodiert werden.
Wenn ein Patient mit Dekubitus Stadium/Kategorie 3 oder 4 lediglich zur operativen Versorgung eines Dekubitalgeschwüres aufgenommen wird, sollte dasselbe Stadium/dieselbe Kategorie dokumentiert werden wie bei der Aufnahme.