Klarstellung: Unverschulden bei Unterschreitung der Dokumentationsrate von 100 Prozent (EJ 2020)

Ergänzend zu einer früheren News wird darauf hingewiesen, dass nur in Sonderfällen das Unverschulden bei Unterdokumentation ausschließlich im Rahmen der Pflegesatzverhandlungen zu klären ist. Ferner kann im QS-Verfahren Dekubitusprophylaxe durch StäB-Fälle eine Unterdokumentation resultieren.

Die Richtlinie über Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern (QSKH-RL) schreibt für sämtliche Qualitätssicherungsverfahren eine Dokumentationsrate von 100% vor. Für das Erfassungsjahr 2020 gilt die QSKH-RL in der am 31.12.2020 geltenden Fassung aufgrund von Übergangsregelungen in der Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (DeQS-RL) - obwohl die QSKH-RL am 01.01.2021 außer Kraft getreten ist.

Für nicht dokumentierte aber dokumentationspflichtige Datensätze sind gemäß § 137 SGB V vom Krankenhaus Qualitätssicherungsabschläge nach § 8 Absatz 4 KHEntgG oder § 8 Absatz 4 BPflV zu zahlen. Sofern sich das Krankenhaus bei Unterdokumentation auf Unverschulden beruft, ist dies vom Krankenhaus zu begründen. Gemäߧ 24 Absatz 2 QSKH-RL holt das Krankenhaus hierzu eine Einschätzung der auf Landesebene beauftragten Stelle (bei indirekten Verfahren) bzw. des IQTIG (bei direkten Verfahren) ein. Die Begründung ist bis zum 31.05. des dem Erfassungsjahr folgenden Jahres den auf Landesebene beauftragten Stellen bzw. dem IQTIG zu übermitteln. Die auf Landesebene beauftragte Stelle bzw. das IQTIG geben eine Einschätzung hinsichtlich der vorgebrachten Gründe ab und teilen diese schriftlich innerhalb von sechs Wochen dem Krankenhaus zur Weiterleitung an die Vertragsparteien der örtlichen Pflegesatzverhandlungen mit.

Pandemie-bedingt gilt für das Erfassungsjahr 2020 gemäß § 25 Absatz 2 QSKH-RL eine Unterdokumentation als unverschuldet, wenn als Folge der COVID-19-Pandemie

  • kurzfristige nothilfe-, krankheits- oder quarantänebedingte Personalausfälle oder
  • starke Erhöhungen der Patientenzahlen, die in ihrem Ausmaß über das übliche Maß hinausgehen und einen flexiblen Personaleinsatz erforderten,

die Möglichkeiten des Krankenhauses zur Dokumentation der Datensätze für die Qualitätssicherung beeinträchtigt haben. In diesem Fall ist das Verfahren zur Einschätzung der unverschuldeten Unterdokumentation nach § 24 Absatz 2 QSKH-RL ausgesetzt. Das Unverschulden bei Unterschreitung der geforderten Dokumentationsrate von 100% ist dann im Rahmen der Pflegesatzverhandlungen zu klären.

Ferner weist die Geschäftsstelle auf die Problematik bei Patienten mit Aufnahmegrund „10 = Stationsäquivalente Behandlung“ (StäB) im QS-Verfahren Dekubitusprophylaxe hin: Diese Fälle werden abrechnungstechnisch gemäß Vereinbarung nach § 21 KHEntgG unter der Pseudostandortnummer 77999999 angegeben. Da es sich bei dieser Pseudostandortnummer jedoch nur um eine Pseudonummer zur Abrechnung handelt („Dummy“), muss diese nicht dem zentralen Standortverzeichnis gemeldet werden. Aufgrund des Bezugs der Sollstatistik auf das Institutionskennzeichen (IK-Nr.) kann für das Erfassungsjahr 2020 für Leistungserbringer im QS-Verfahren Dekubitusprophylaxe eine Unterdokumentation resultieren, wenn bei der Erstellung der Sollstatistik nach QSKH-RL die StäB-Fälle nicht aus der Sollstatistik herausgefiltert wurden. Die Geschäftsstelle empfiehlt Leistungserbringern mit einer Unterdokumentation im QS-Verfahren Dekubitusprophylaxe zu überprüfen, ob in der Sollstatistik fälschlicherweise Standorte einbezogen worden sind, für die gemäß QSKH-RL keine IST-Daten zu übermitteln waren (z.B. Patienten der Psychiatrischen Institutsambulanzen oder StäB).